{"id":2817,"date":"2018-11-09T10:59:59","date_gmt":"2018-11-09T09:59:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dasroteteam.de\/jusos\/?p=2817"},"modified":"2018-11-08T11:04:57","modified_gmt":"2018-11-08T10:04:57","slug":"eine-frage-der-gerechtigkeit-europa-links-gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dasroteteam.de\/jusos\/2018\/11\/09\/eine-frage-der-gerechtigkeit-europa-links-gestalten\/","title":{"rendered":"Eine Frage der Gerechtigkeit: Europa links gestalten!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein aktueller Blog von Jannes Tilicke<\/strong><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Als die SPD am 4. August 1914 den Kriegskrediten zustimmte, wurden in den Fabriken dies- und jenseits des Rheins bereits andere Lieder als die Internationale angestimmt. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Die deutsche Arbeiter<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">innenschaft<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> stand fest und treu ihre Wacht am Rhein, w\u00c3\u00a4hrend in Frankreich der Chanson <\/span><\/span><span class=\"s6\"><span class=\"bumpedFont15\">La Madelon popul\u00c3\u00a4r wurde, in dem ein Barm\u00c3\u00a4dchen lieber ein ganzes Regiment, als einen einzelnen Soldaten liebt. Doch <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">w\u00c3\u00a4hrend sich die anderen deutschen Parteien nur in ihrem nationalen Selbst wiederfanden, spielte die SPD seit ihrer Gr\u00c3\u00bcndung eine Doppelrolle: Sie war nationale Organisation mit internationalem Charakter. Am Ende \u00c3\u00bcberragten f\u00c3\u00bcr die Genoss*innen allerdings die nationalen Zw\u00c3\u00a4nge. Die sozialistische Internationale zerbrach am Zeitgeist des reaktion\u00c3\u00a4ren Nationalismus als sie am meisten gebraucht worden w\u00c3\u00a4re. Von diesem Widerspruch erholte sich die Arbeiterbewegung nicht mehr. Auch sie zerbrach.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Deshalb war die europ\u00c3\u00a4ische Urkatastrophe des ersten Weltkriegs der Bezugspunkt f\u00c3\u00bcr alle au\u00c3\u0178enpolitischen \u00c3\u0153berlegungen in der Weimarer Republik \u00e2\u20ac\u201c auch in der Sozialdemokratie. Es ist jener Geist eines problembewussten Internationalismus, der sich in der \u00e2\u20ac\u017eBildung der Vereinigten Staaten von Europa\u00e2\u20ac\u0153 im Heidelberger Parteiprogramm von 1925 wiederfand. Dieser blieb w\u00c3\u00a4hrend der Weimarer Republik allerdings eine vage und unglaubw\u00c3\u00bcrdige Worth\u00c3\u00bclse. Vage, weil die Weimarer Sozialdemokratie zu sehr mit den innenpolitischen Problemen einer br\u00c3\u00bcchigen Demokratie zu k\u00c3\u00a4mpfen hatte, als dass sie sich der konsequenten Arbeit an einer au\u00c3\u0178enpolitischen Agenda h\u00c3\u00a4tte verschreiben k\u00c3\u00b6nnen. Unglaubw\u00c3\u00bcrdig, weil die Sozialdemokratie der Weimarer Republik noch jene des Kaiserreichs war. Die Lebenswelt der Genoss*innen war ihr Ortsverein und nicht Europa. Sie trieben Sport in Arbeiter*innensportvereinen, wohnten in H\u00c3\u00a4usern der Genossenschaft, lasen den Vorw\u00c3\u00a4rts oder <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">eine andere lokale Arbeiter<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">innenzeitung<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> und tr\u00c3\u00a4umten vom Tag der Revolution. Willy Brandt hat dies in seiner Biografie \u00e2\u20ac\u017eLinks und frei\u00e2\u20ac\u0153 sehr anschaulich f\u00c3\u00bcr die L\u00c3\u00bcbecker Sozialdemokratie beschrieben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Es war auch jener Willy Brandt, der sp\u00c3\u00a4ter im skandinavischen Exil konkrete \u00c3\u0153berlegungen zu einer Friedensordnung nach dem zweiten Weltkrieg aufstellte. Die leere Phrase von Europa sollte endlich mit Leben gef\u00c3\u00bcllt werden. Hatte die Sozialdemokratie beim ersten Mal die nationalistischen T\u00c3\u00b6ne noch selbst mitgesungen, so untersch\u00c3\u00a4tzte sie diese beim zweiten Mal. Ihr <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">blieb<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> nur noch ein letztes Aufb\u00c3\u00a4umen in der ber\u00c3\u00bchmten Rede von Otto Wels bis die SPD im Sommer 1933 verboten wurde. Erst im Exil <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">vor den Nationalsozialist<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*innen fand eine junge Generation um Brandt, Palme und Kreisky zusammen, die ihre \u00e2\u20ac\u017eFriedensziele demokratischer <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Sozialisten\u00e2\u20ac\u0153 zu erarbeiten begannen. Es war ein Katalog an Ideen f\u00c3\u00bcr ein demokratisches Europa nach dem Krieg. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Heute wird in vielen europ\u00c3\u00a4ischen Parlamenten wieder das alte Lied vom Nationalismus gesungen. Fast f\u00c3\u00bchlt man sich von einer Berliner in eine Dresdener Republik versetzt. Vieles erinnert an 1914 und 1933, doch mit einem entscheidenden Unterschied. Denn im Vorfeld des ersten Weltkrieges gab es keine Ideen von Europa und <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">vor dem zweiten Weltkrieges<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">blieb Europa nur abstrakt. Heute, 2018, haben wir eine europ\u00c3\u00a4ische Union und wir haben europ\u00c3\u00a4ische Freiheiten. Die Gretchenfrage <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">der jungen Sozialist<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*innen und Sozialdemokrat*innen ist daher nicht \u00e2\u20ac\u017eWie h\u00c3\u00a4l<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">t<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">st du es mit Europa?\u00e2\u20ac\u0153. Sie lautet: \u00e2\u20ac\u017eWelches Europa willst du?\u00e2\u20ac\u0153 <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Woran es der Sozialdemokratie mangelt sind nicht die \u00c3\u00bcberzeugten Europ\u00c3\u00a4er*innen, sondern die europ\u00c3\u00a4ischen Ideen. Es fehlt an einer Vision, die in Europa mehr sieht, als den gemeinsamen Binnenmarkt. Sie muss sich stattdessen als europ\u00c3\u00a4ische Bewegung begreifen. <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Trotz aller historischen Unterschiede,<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> k\u00c3\u00b6nnen sich Sozialdemokrat*innen in den verschiedenen europ\u00c3\u00a4ischen Staaten doch auf einen gemeinsamen Wertekanon von Freiheit, Solidarit\u00c3\u00a4t, Gleichheit und Frieden einigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Die Sozialdemokratie in Europa muss lernen, wieder eigene Ideen zu entwickeln und nicht versuchen die politischen Probleme derjenigen zu l\u00c3\u00b6sen, denen nichts am europ\u00c3\u00a4ischen Friedensprojekt liegt. Auf keinen Fall <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">darf sie sich dem Mantra der angeblichen<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> Alternativlosigkeit dieser Politik hingeben. Geradezu symptomatisch daf\u00c3\u00bcr steht die europ\u00c3\u00a4ische Schuldenkrise. Seit zehn Jahren wird mit dem Versuch die Wettbewerbsf\u00c3\u00a4higkeit der <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Failed<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> States in Europa zu erh\u00c3\u00b6hen, systematisch Arbeitnehmer*innenrechte abgebaut.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Die Folge sind ausgeblutete Staaten, die kaputt privatisiert wurden und die eine Belastung an Jugendarbeitslosigkeit und Altersarmut nicht stemmen k\u00c3\u00b6nnen. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht und Profiteure der Krise sind die reichen Schuldengeberl\u00c3\u00a4nder. Das neoliberale Versprechen, dass sich Staaten durch eine Verringerung ihrer Sozialausgaben gesundschrumpfen k\u00c3\u00b6nnten, ist so offensichtlich f\u00c3\u00bcr diese Staaten gescheitert, dass die Menschen sich <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">l\u00c3\u00a4ngst nationalistischen Populist<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*innen von links und rechts anvertrauen. An eine europ\u00c3\u00a4ische L\u00c3\u00b6sung ihrer Probleme glauben sie nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Dabei f\u00c3\u00a4ngt es schon bei der Problemformulierung an. Wer von \u00e2\u20ac\u017eunserem Geld\u00e2\u20ac\u0153 spricht und sich Jahr f\u00c3\u00bcr Jahr \u00c3\u00bcber massive Export\u00c3\u00bcbersch\u00c3\u00bcsse freut, denkt nicht europ\u00c3\u00a4isch. Der Konkurrenzkampf innerhalb Europas um die Exportquote mag im Kapitalismus <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">systemimmanent sein, aber er steht doch einer gemeinsamen europ\u00c3\u00a4ischen Vision entgegen. Oder kurz formuliert: Die L\u00c3\u00b6sung einer Krise des Kapitals kann niemals kapitalistisch sein. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Eine europ\u00c3\u00a4ische Sozialdemokratie muss der Abw\u00c3\u00a4rtsspirale von L\u00c3\u00b6hnen, Steuern, Sozialabgaben und betrieblicher Mitbestimmung, ein Fortschrittsversprechen entgegensetzen. Sie muss sich f\u00c3\u00bcr eine Politik der Hoffnung einsetzen, in der Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich solidarisch in eine bessere Zukunft helfen. Daf\u00c3\u00bcr sind Investitionen in Forschung und Entwicklung, in Bildung und auch in die Infrastruktur auch f\u00c3\u00bcr die europ\u00c3\u00a4ische Peripherie statt sinnloser Haushaltsk\u00c3\u00bcrzungen unerl\u00c3\u00a4sslich. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Aber <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">vor allem <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">es muss<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">an einem europ\u00c3\u00a4ischen Sozialstaatsmodell gearbeitet werden. So lange Lohndumping durch Protektionismus und nicht durch eine <\/span><\/span><span class=\"s7\"><span class=\"bumpedFont15\">sozialstaatliche Union<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> bek\u00c3\u00a4mpft wird, ist daran wenig links. Hier sind auch die Gewerkschaften gefordert. Denn <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">statt die Verschiebung<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">von Arbeitspl\u00c3\u00a4tze innerhalb Europas zu bestreiken, sollte ein System des Lohndumpings kritisiert werden. Es sind nicht die \u00e2\u20ac\u017eFremdarbeiter\u00e2\u20ac\u0153, wie sie Oskar Lafontaine nennt, die dem \u00e2\u20ac\u017edeutschen Arbeiter\u00e2\u20ac\u0153 die \u00e2\u20ac\u017eArbeit wegnehmen\u00e2\u20ac\u0153. Es sind Unternehmen, die ohne soziale Skrupel einer Marktlogik folgen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Eine politische Linke muss hier europaweite Gerechtigkeitsstandards setzen. Denn ein gemeinsamer, funktionierender Sozialstaat ist f\u00c3\u00bcr den Zusammenhalt einer europ\u00c3\u00a4ischen Gemeinschaft unerl\u00c3\u00a4sslich. Wem n\u00c3\u00bctzt Europa, wenn eine ganze Generation in Perspektivlosigkeit lebt? Die Ausschreitungen von franz\u00c3\u00b6sischen Jugendlichen aus den B<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">anlieues<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">werden<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> mit <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Blick<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">auf<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> die <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Ungerechtigkeit<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> der <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Lebenschancen<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">genauso<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">verst\u00c3\u00a4ndlich<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">wie<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">, der <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Protest<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">an<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> den <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Wahlurnen<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> der <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">am<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">besten<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">ausgebildeteten<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Generation<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Spaniens<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">und<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> Italiens, die <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">unter<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">einer<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">massiven<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Jugendarbeitslosigkeit<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">zu<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">leiden<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">haben<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Eine Gesellschaft, deren wirtschaftliche Akteure sich entweder durch Steueroasen oder mit dem Hinweis auf die eigene Systemrelevanz ihrer Verantwortung entziehen, hat ein Demokratie<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">problem<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">. Das <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Missverh\u00c3\u00a4ltnis<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> in dem der eigene Beitrag f\u00c3\u00bcr die staatliche Gemeinschaft mit den Forderungen an diese steht, f\u00c3\u00bchrt zwangsl\u00c3\u00a4ufig zu der Frage, ob der Staat oder die Wirtschaft in der m\u00c3\u00a4chtigeren Position sind. Dabei liegen die Dimensionen des Marktes schon l\u00c3\u00a4ngst au\u00c3\u0178erhalb jeder Vorstellungskraft. W\u00c3\u00a4hrend Millionen zu Milliarden werden, besitzt eine Hand voll Menschen so viel wie Millionen andere. Selbstverst\u00c3\u00a4ndlich hat diese Demokratiekrise auch Auswirkungen auf die Legitimation der Europ\u00c3\u00a4ischen Union. Das macht sie zus\u00c3\u00a4tzlich gef\u00c3\u00a4hrlich.<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">In den europ\u00c3\u00a4ischen Institutionen m\u00c3\u00bcssen st\u00c3\u00a4ndig Krisen gel\u00c3\u00b6st werden, bis irgendwann <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">in der \u00c3\u2013ffentlichkeit sich der Eindruck festigt, die europ\u00c3\u00a4ischen <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Institutionen seien die Ursachen der Krisen.<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> Sie m\u00c3\u00bcsste wieder st\u00c3\u00a4rker als Ebene der L\u00c3\u00b6su<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">ngsfindung denn als Problemursache wahrnehmbar sein. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Wenn man diese Krise als Blaupause f\u00c3\u00bcr andere Herausforderungen Europas nimmt, wird schnell klar, wie die Gretchenfrage auch in anderen Bereichen zu beantworten ist. N\u00c3\u00a4mlich durch soziale Gerechtigkeit<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">!<\/span><\/span> <span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Der Sozialphilosoph Oskar Negt spricht in seinem Essay \u00e2\u20ac\u017eEin Pl\u00c3\u00a4doyer f\u00c3\u00bcr ein gerechtes Europa!\u00e2\u20ac\u0153 davon, dass es die europ\u00c3\u00a4ische Gr\u00c3\u00bcndungsidee auf sich bedingenden drei Pfeilern aufgebaut sei: Dem \u00e2\u20ac\u017e<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Rechtsstaat, das aus der Arbeiterbewegung stammende Potenzial sozialstaatlicher Errungenschaften und die Demokratie\u00e2\u20ac\u0153. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Alle drei Pfeiler werden heute <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">von den Gegner<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*innen Europas angegriffen, wenn Menschen in eine Zahlenwelt hinaus abstrahiert werden. <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Es spricht sich sehr leicht \u00c3\u00bcber subsidi\u00c3\u00a4r Schutzbed\u00c3\u00bcrftige oder Wirtschaftsmigranten, solange diese nicht \u00e2\u20ac\u017eMenschen\u00e2\u20ac\u0153 genannt werden m\u00c3\u00bcssen. Es spricht sich leicht \u00c3\u00bcber Schulden, wenn man sie nicht mit dem Schicksal von Millionen Arbeitslosen verbindet. Dabei wird die W\u00c3\u00bcrde der Menschen unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Gegen diese Phantasielosigkeit der Zahlen muss sich eine europ\u00c3\u00a4ische Sozialdemokratie wehren! <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Die europ\u00c3\u00a4ische Union ist heute wichtiger denn je. Sie ist das Bollwerk gegen den aufkeimenden Nationalismus. Um allerdings Europa als Friedensprojekt zu sichern, braucht es Gestaltungswillen. <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Die sozialdemokratische <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Linke muss<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> das durch eine klare Abgrenzung von neoliberalen Ideen deutlich machen. Die Gestaltung unter dem Namen einer \u00e2\u20ac\u017eEurop\u00c3\u00a4ischen Sozial Union\u00e2\u20ac\u0153 mit gemeinsamen Ideen f\u00c3\u00bcr den Arbeitsmarkt \u00e2\u20ac\u201c wie sie beispielsweise Olaf Scholz mit der europ\u00c3\u00a4ischen Arbeitslosenversicherung, die gegen einen Ausfall des Sozialstaats in einzelnen Staaten wirkt, vorgeschlagen hat \u00e2\u20ac\u201c kann hier einen guter erster Ansatzpunkt sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><a name=\"_GoBack\"><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p class=\"s3\"><a name=\"_GoBack\"><\/a><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Dazu bedarf es einer konsequent linken Deutung in den Gerechtigkeitsfragen. Wer sich Rechtspopulist*innen in Europa entgegenstellen will, muss erkl\u00c3\u00a4ren, dass nicht Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Herkunft entscheidende Kriterien sind, sondern die <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">alleine<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> die soziale Klasse. Und er muss gleichzeitig das sozialdemokratische Aufstiegsversprechen erneuern. Der franz\u00c3\u00b6sische Soziologe Didier <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Eribon<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> erkl\u00c3\u00a4rt in seiner Autobiografie \u00e2\u20ac\u017eR\u00c3\u00bcckkehr nach Reims\u00e2\u20ac\u0153, dass die Arbeiter*<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">innenschaft<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> heute in vielen Teilen Frankreichs rechts st\u00c3\u00bcnde, weil die Linke es verlernt habe den Unterschied zwischen \u00e2\u20ac\u017eoben\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eunten\u00e2\u20ac\u0153 in der Gesellschaft zu thematisieren und der Front National diese L\u00c3\u00bccke mit Rassismus f\u00c3\u00bcllt. <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Au\u00c3\u0178erdem erg\u00c3\u00a4nzt der Historiker Hobsbawm sei die <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">fr<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">anz\u00c3\u00b6sische<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> Linke schw\u00c3\u00a4cher geworden ist, weil diejenigen Kommunist<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">*i<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">nnen, die die <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">kommunistischen Partei Frankreichs<\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\"> als Bollwerk in der Resistance gegen den Faschismus gesehen haben, tot sind. Die pol. Linke als antifaschistische Friedenkraft war dann nicht mehr so relevant. Europa als Friedenprojekt scheint mittlerweile so selbstverst\u00c3\u00a4ndlich, dass es kaum noch <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Menschen begeistert. <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Deshalb m\u00c3\u00bcssen Gerechtigkeitsfragen in das Zentrum aller europ\u00c3\u00a4ischen Debatten gestellt werden. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Oskar Negt nennt dieses einen Legitimationsvorrat f\u00c3\u00bcr das Projekt Europa, der \u00e2\u20ac\u017e[j]e <\/span><\/span><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">gerechter eine Gesellschaft organisiert ist, desto reichhaltiger\u00e2\u20ac\u0153 sei. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"s3\"><span class=\"s5\"><span class=\"bumpedFont15\">Ich gehe an dieser Stelle allerdings noch weiter: Es ist nicht nur ein Legitimationsvorrat, sondern auch Legitimationsgrundlage. Die Lebenswelt der Menschen und damit auch die Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist eng mit Europa verkn\u00c3\u00bcpft. Wer 2018 von Europa spricht, der kann von Schuldenkrisen, Gefl\u00c3\u00bcchteten, Chancenlosigkeit und Gleichberechtigung nicht schweigen. Die Antwort darauf ist Europa. Es ist die Internationale.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein aktueller Blog von Jannes Tilicke Als die SPD am 4. 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