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Bericht von der Gegendemo zur Solidemo für die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck

Foto: pixabay.com

Felix Groschinski wollte am 10. Mai 2018 an der Demonstration gegen die rechtsextreme Solidaritätskundgebung für die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck an Himmelfahrt in Bielefeld teilnehmen. Felix ist Mitglied der Jusos Minden-Lübbecke und hat seine Eindrücke aufgeschrieben.

Um 11 Uhr kam ich mit ein paar anderen SPD-Mitgliedern am Bielefelder Bahnhof an, dort sahen wir dann auch schon die anderen Gegendemonstrant*innen.

Frau Haverbeck ist eine Holocaust-Leugnerin und ist festgenommen worden, weil sie vorher nicht zu ihrem Haft-Terminim Gefängnis erschienen ist;daher kamen die Polizisten zu ihr Rechtsextremisten hatten eine Demo für Ursula Haverbeck angekündigt, dessen Zweck es war, Solidaritätihr gegenüber zu bekunden.

Das Bielefelder Bündnis gegen Rechts hatte deswegen eine Gegendemonstration angekündigt. Deswegen war ich in Bielefeld. Wir sahen wie gesagt die anderen Demonstrant*innen, stellten uns zu ihnen und bekamen eine Karte über die Route, die wir gehen konnten. Es herrschte eine gute Stimmung,es wurde viel gelacht. Wir gingen mit unserer großen Gruppe (ungefähr 100 Leute) zur S-Bahn.

Die Bahn war schon ziemlich voll, jedoch wollten noch zwei Polizist*innen mitfahren, die durch ihre dicken Jacken kaum Platz gehabt haben. Die Leute auf der Sitzbank haben auch gesagt, dass es keinen Platz mehr gibt, doch die Polizist*innen ließen die Bahn erst weiterfahren, als sie einsteigen konnten. Neben uns fuhren zwei Polizist*innen Bullis. Man merkte wie die Stimmung immer angespannter wurde. Die gute Laune war verflogen. Dann wollten auch “Faschos“, diese konnte man an ihren Symbolen erkennen, in die Bahn einsteigen. Alle in der S- Bahn standen auf, damit sie nicht einsteigenkonnten. Es wäre aber auch so kein Platz gewesen.

Einer der Rechten, hat dann versucht die Leute in der Bahn anzuspucken, doch dieser war anscheinend betrunken und er torkelte nach hinten und fiel vom Bahnsteig runter. Zur Freude der Personen im Zug. Dann gab es eine Ansage: „Wir steigen ruhig aber bestimmt aus.“ Dies haben wir dann auch getan. Als wir ausstiegen, sahen wir schon überall Polizeiautos und Vierergrüppchen von Polizist*innen, die uns alle anschauten.

Vorne fingen dann welche von den Demonstrant*innen an zu rennen, und so kam es zu einer Kettenreaktion, denn die meisten aus der Gruppe liefen dann auch. Ich blieb verwundert stehen, und fragte warum alle rannten. Ich sah dann hinter mir einen Polizisten der einem Demonstranten, die Füße weggezogen hatte, mit einem Schlagstock. Nun lief ich auch. Ein Polizist schubste mich nach links. Dann wurden wir in der Nähe vom Brackweder Bahnhof von den Polizist*innen eingekesselt. Die Straße wurde abgesperrt. Wir Eingekesselten sangen: „Wir sind friedlich was seid ihr?“ Ein Polizist holte sein Pfefferspray raus und drohte uns damit, obwohl es meiner Meinung nach keinen Grund gab. Ich bekam keine Antwort auf die Frage, warum er uns drohte. Später habe ich gehört, dass manche im Kessel auch Pfefferspray abbekommen haben. Die Polizisten waren sehr nervös und ich hatte, dass Gefühl, dass sie keine richtigen Anweisungen hatten, oder diese erst sehr spät bekommen haben.

Nach ungefähr eine Stunde kam eine Kommunalpolitikerin, die in den Kessel gelassen wurde und uns erklärte was gleich passiert und uns über unsere Rechte aufklärte, eine Andere verteilte Zettel vom EA (Ermittlungsausschuss). Dann gab es über Mikrofone der Polizei die Ansage, dass gleich die Personalien aufgenommen werden. Wir haben dann bestimmt nochmal 45 Minuten gewartet. Ich wurde als erster kontrolliert,  da ich mich freiwillig gemeldet hatte. Drei Männer (Polizisten standen, dann um mich herum und nahmen mich zu einem Polizeiauto mit. Dann wurde mein Rucksack kontrolliert, ich wurde abgetastet. Ich gab meinen Personalausweis den Polizisten, daraufhin telefonierte dieser dann 5 Minuten. Dann wurde noch ein Foto mit einer Nummer gemacht und ich durfte gehen. Die Kontrolle hat 15 Minuten gedauert. Insgesamt war ich über 2 ½ Stunden im Kessel. Andere haben fünf Stunden im Kessel verbracht. Ich hatte einen Platzverweis für den nahgelegenen Bahnhof  bekommen und durfte nicht auf die Straße gehen. Wir warteten auf alle, die im Kessel waren und verpassten so auch die Gegendemonstration, da die Kontrollen lange gedauert haben. Es kam zwar keiner aus dem Kessel raus, allerdings ist einer einfach in den Kessel reingegangen, da er zu seinen Freunden wollte, er konnte dann aber auch nicht mehr raus gehen.

Wir konnten, dann ungefähr um halb 5 Uhr durch die Innenstadt laufen und demonstrieren. Wir gingen zum Hauptbahnhof, dort standen vor dem Eingang wieder sehr viele Polizist*innen. Ich bin dann außen rum, in den  Bahnhof, gegangen und wieder nach Hause gefahren. Die meisten in der Gruppe waren friedlich. Ich finde zwar, dass die Polizist*innen sehr nervös waren und daher vielleicht auch übertrieben reagiert haben. Allerdings tragen diese ja auch die Verantwortung. Ich habe diesen Text geschrieben, da ich das Gefühl hatte, dass die Zeitungen uns als „linke Gefährder“ gesehen haben. Was einfach nicht der Fall war.”