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Zum Gedenken an Felix Fechenbach

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Gastartikel von Thilo Scholle, ehemaliges Mitglied im Juso-Bundesvorstand & Landesvorstand NRW

Am 7. August jährte sich der Todestag von Felix Fechenbach zum 80. Mal. Im März 1933 inhaftiert, erschossen ihn Nazi-Schergen im August 1933 „auf der Flucht“ im Wald zwischen Paderborn und Warburg in Ostwestfalen.

Felix Fechenbach wurde am 29. Januar 1894 in Mergentheim geboren. Die Jugend verbrachte er in ärmlichen Verhältnissen in Würzburg, wo die Eltern eine jüdische Bäckerei betrieben. Nach einer kaufmännischen Ausbildung begann Fechenbach in diesem Beruf zu arbeiten. Bald schon wandte er sich der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften zu. Vor dem Ersten Weltkrieg war er Mitglied einer Münchner Gruppe der Arbeiterjugend, die zu den ersten Vereinigungen gehörte, die sich „Jungsozialisten“ nannten. Sehr bald begann er auch journalistisch zu arbeiten. Nach dem Krieg wurde er im Alter von 24 Jahren Sekretär Kurt Eisners während der Münchener Räterepublik. Nach der Ermordung Eisners 1919 zog Fechenbach sich aus der aktiven Politik zurück und begann wieder als Journalist und Redakteur zu arbeiten.

Fechenbach bekannte sich öffentlich zur Schuld Deutschlands am Ausbruch des Ersten Weltkriegs, was ihm den Hass rechter Kreise eintrug. Er übergab Dokumente aus dem Nachlass Kurt Eisners an einen französischen Journalisten, die Hinweise auf die deutsche Beteiligung am Kriegsausbruch enthielten. Fechenbach wurde daraufhin angeklagt und 1922 wegen „Landesverrats“ zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Das offensichtlich politische Urteil beschäftigte in der Folge auch den Reichstag und die (sozialdemokratische) Öffentlichkeit. Erst Ende 1924 wurde Fechenbach aus der Haft entlassen – zeitgleich mit dem wegen des Münchener Putschversuchs von 1923 inhaftierten Adolf Hitler.

Danach arbeitete er wieder als Journalist. Seine Erlebnisse aus der Haftzeit verarbeitete er im Buch „Im Haus der Freudlosen“ und in einer Vielzahl von politischen Fabeln, die er noch im Zuchthaus schrieb. 1929 übernahm er die Chefredaktion des „Volksblatt“ in Detmold, der Parteizeitung im Land Lippe. Dort setzte er sich intensiv mit dem aufkommenden Faschismus auseinander. In einer Kolumne sezierte er als „Nazi-Jüsken“ Interna der örtlichen NSDAP.

Am 5. März 1933 wurde er inhaftiert. Am 7. August 1933 sollte eine Überführung ins KZ Dachau stattfinden. Auf der Fahrt dorthin stoppte das Auto im Wald, Fechenbach musste aussteigen und wurde hinterrücks erschossen.

Zeit seines politischen Lebens bewies Fechenbach politische Gradlinigkeit und persönlichen Mut. Die Gefahr für sich selbst erkennend, schickte er seine Familie im Frühjahr 1933 zu Verwandten in Sicherheit. Er selbst fühlte sich der Sozialdemokratie und den Arbeiterinnen und Arbeitern in Lippe so verbunden und verpflichtet, dass er vor Ort blieb.

Felix Fechenbach steht beispielhaft für viele junge Genossinnen und Genossen der Arbeiterbewegung, die sich auch durch Terror und Bedrohung nicht vom Gedanken abhalten ließen, dass eine andere, bessere und solidarischere Welt möglich ist.

Zum Weiterlesen:

Herman Schueler, Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894 – 1933, Frankfurt/ Main 1984 (Bezugsmöglichkeit: felix-fechenbach-stiftung.de)

Frank Meier (Hrsg.), Felix Fechenbach Lesebuch, Köln 2009

Quelle: blog.jusos.de / Grafik-Bestandteil: Landestheater Detmold