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Burschenschaftlern konsequent die rote Karte zeigen!

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Der Berliner Staatssekretär Michael Büge wurde am 14. Mai 2013 aus seinem Amt entlassen, da er der rechtsradikalen Burschenschaft Gothia angehört. Dies ist ein politisches Novum. Die Gothia war bis 2011 Mitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft und ist heute, auch nach dem klaren Rechtsruck innerhalb des Verbandes, Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft.

Der ehemalige Staatssekretär hatte auch die Option, die Burschenschaft zu verlassen und somit im Amt zu bleiben. Er entschied sich nach einer Schonfrist dagegen. Nach seiner Entlassung gab gegenüber der Jungen Freiheit, einer rechtskonservativen, überregionalen Tageszeitung ein Interview. In diesem sagt er:

„Zudem: Wenn es mittlerweile schon schädlich ist, Mitglied einer Studentenverbindung zu sein, was kommt dann als nächstes? Sind wir schon wieder so weit, daß mittels Sippenhaftung Menschen drangsaliert und in ihrer Existenz bedroht werden dürfen? Das entspricht nicht meinem Verständnis einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft. Insoweit hatte ich gar keine echte Wahl beziehungsweise Alternative und mußte mich so entscheiden.“

Diese Aussage zeigt die wahre Haltung Büges. Wer eine einzelne, politisch motivierte Entlassung mit der Sippenhaft gleichsetzt, relativiert den Nationalsozialismus und die rassistische Verfolgung von Millionen Menschen. Büge hätte auch erkennen können, dass seine Verbindung sexistisch, homophob und revisionistisch ist und aus diesem Grunde die Gothia verlassen. Diese Erkenntnis ist ihm nicht gekommen – deshalb ist der Schritt der Entlassung die einzig korrekte Reaktion der Berliner Regierung. Mit einer solchen Einstellung von einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft zu sprechen ist mehr als nur eine Frechheit!

Schon vor vier Wochen hatten die Fraktion der Linkspartei die inakzeptable Nähe zur rechten Szene festgestellt und einen Abwahlantrag gestellt. Dass diesem aus den Reihen der SPD nicht zugestimmt wurde, ist wohl dem Koalitionsfrieden geschuldet, nichtsdestotrotz ist die Zeit  für die Entlassung des Staatssekretärs schon seit einem halben Jahr überfällig gewesen. Wir sind erleichtert, dass Menschen mit einem solchen politischen Hintergrund nicht Teil einer sozialdemokratisch geführten Regierung sein dürfen. Dies ist ein deutliches Zeichen gegen reaktionäres Gedankengut, Seilschaften und Männerbünde. Jetzt sollte die gesamte SPD einen Schritt weitergehen und unserer Forderung nach der Unvereinbarkeit mit der Deutschen Burschenschaft endlich nachkommen. Nur so kann sie Sexismus, Homophobie, Nationalismus, Revanchismus, Antisemitismus und Rassismus glaubhaft eine rote Karte zeigen.